Therapeutisches Profil
Im Folgenden gebe ich Ihnen Einblick in meine Vorgehensweise und
Auffassung bei verschiedenen Störungsbildern.
Sprachentwicklungsstörung (Dyslalie, Dysgrammatismus,
eingeschränkter Wortschatz)
Die geistige und sprachliche Entwicklung des Kindes sind eng mit der
Entfaltung der Persönlichkeit verwoben.
Bei Sprach- und Sprechstörungen im Kindesalter sehe ich es als meine
Aufgabe, dem Kind zu ermöglichen, seine sozialkommunikativen
Fähigkeiten zu entfalten. Zum Beispiel wird ein Kind nur das Wort
„ich“ gebrauchen, wenn es sich selbst als eigenständige Person
fühlen, erleben und denken kann.
Im Kontaktaufbau nehme ich wahr:
Was interessiert das Kind? Was motiviert es? Wo bringt es Ausdauer auf?
Das bedeutet für mich, dass ich mein Vorgehen am Entwicklungsstand und
den Themen des Kindes ausrichte. Ich achte auf die Ressourcen des
Kindes und nutze sie zur therapeutischen Arbeit. Rituale und
rhythmisch-musische Elemente sind für mich wichtige Bestandteile der
Arbeit.
Behandlungsbegleitend führe ich Beratungsgespräche mit den Eltern,
informiere über den Ablauf der Sprachentwicklung, die möglichen
Störungen, gebe Raum für die Fragen und Sorgen der Eltern. Ich werbe
für Geduld, Respekt und Einfühlungsvermögen im Umgang mit den
Kindern.
Gern führe ich auch Fallbesprechungen mit Erzieherinnen, anderen
Therapeuten oder den Pädagogen von der Frühförderstelle durch.
Ich arbeite nicht nur mit Vorschul- und Schulkindern, sondern auch sehr
gern mit kleinen Kindern unter 3 Jahren, die mir als „Late Talker“
vorgestellt werden, das Downsyndrom, einen Hydrocephalus oder eine
Hörstörung haben.
Grundlagen für meine Therapie sind die Therapiemethode von Barbara
Zollinger (
www.kinder.ch)
und meine Zusatzausbildung in
personzentrierter psychotherapeutischer Arbeit mit Kindern und
Jugendlichen.
Organische und Funktionelle Stimmstörungen
Nach Anamnese und Befunderhebung wende ich Therapieverfahren an, die
auf die jeweilige Person mit ihrer Störung „abgestimmt“ sind. Dies
fängt bei der Wahl der Therapiefrequenz an und endet bei der Auswahl
der Übungen.
Ich informiere über stimmhygienische Maßnahmen. Ich bringe den
Patienten nahe, ihr Symptom als Aufgabe und Einladung zu betrachten,
sich eingehender mit ihrem Ausdrucksorgan Stimme zu befassen.
Kern ist die Atemarbeit. Der Atem trägt und nährt die Stimme.
Klangübungen verknüpfe ich mit Körperarbeit und intentionalen
Übungen. Der Körper darf als „Klangkörper“ erlebt und genutzt werden.
Die meisten Patienten finden diese Arbeit spannend und angenehm und
verfeinern oder verändern ihre Eigenwahrnehmung.
Ziel der Arbeit ist bei funktionellen Störungen, eine bessere
stimmliche Belastbarkeit zu erreichen.
Bei den organischen Störungen geht es um
die Nutzung kompensatorischer Möglichkeiten.
Die Patienten sollen sich in der veränderten Stimme wiederfinden.
Häufig und im besten Fall findet der Patient zu seiner alten
vertrauten Stimme.
Für den Erfolg ist es wichtig, dass der Patient sich auf die Arbeit
einlässt und zuhause die Übungen anwendet, die er in der Therapie
kennen gelernt hat.
Aphasie und Dysarthrie
Nach einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung kann das Sprachsystem
des Patienten so betroffen sein, dass er nicht mehr die richtigen Worte
findet oder keinen korrekten Satz mehr bildet oder zwar viele Worte
aneinander reiht, die für die Zuhörer jedoch keinen Sinn ergeben
(Aphasie).
Ebenfalls nach Schlaganfall, Hirnblutung oder anderen neurologischen
Erkrankungen wie Parkinson oder Multiple Sklerose kann die
Sprechmotorik betroffen sein (Dysarthrie). Die Artikulation ist
verwaschen, die Stimme verändert oder der Atem stark verkürzt.
Nach der Anwendung standardisierter Testverfahren wähle ich Sprach-
und Sprechübungen aus, die dem Symptomkomplex des Patienten
entsprechen. Priorität hat das Ziel, Kommunikation mit Hilfe der
verbliebenen Fähigkeiten zu ermöglichen. Zur Kompensation der
sprachlichen Ausfälle kann es nötig sein, nonverbale
Kommunikationsmöglichkeiten einzuüben.
Neben den unabdingbar wichtigen sprachsystematischen und
sprechmotorischen Übungen haben Gespräche zur Krankheitsverarbeitung,
Humor und Möglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben einen
hohen Stellenwert in meiner Arbeit mit den Betroffenen und Angehörigen.
Myofunktionelle Störungen
Diese Muskelfunktionsstörung tritt häufig im Kindes- und Jugendalter
auf und bleibt im Erwachsenenalter bestehen, wenn keine Behandlung
erfolgt.
Sie geht meistens einher mit der Artikulationsstörung „Lispeln“.
Manchmal sind alle Zischlaute betroffen. Es handelt sich um eine
Muskelschwäche, die entstehen kann, wenn ein Säugling beim Füttern
mit der Flasche nicht genug Saugkraft aufbringen muss, die
Flaschenernährung oder das Nuckeln an Sauger oder Daumen zu lange
andauern und die Nasenatmung durch häufige Atemwegserkrankungen
erschwert ist.
Die Kinder lassen häufig den Mund offen stehen, schlucken zu selten
(vermehrter Speichelfluss) und drücken beim Schlucken gegen die
Frontzähne.
Dies alles beeinflusst die Entwicklung und Stellung des Gebisses. Daher
findet die myofunktionelle Therapie oft auf Veranlassung des
Kieferorthopäden statt, denn die Spangenbehandlung dauert länger oder
führt nicht zum gewünschten Erfolg, wenn das Kind weiterhin falsch
schluckt.
Die Behandlung selbst besteht aus einer Kombination mundmotorischer und
grobmotorischer Übungen. Die meisten Kinder haben Spaß an den
Aufgaben. Gern arbeite ich in Zweiergruppen, wenn es sich vom Alter und
Termin her anbietet.
Wichtig ist, dass die Eltern die Kinder zuhause an das Üben erinnern,
denn nur so kann sich die Muskulatur kräftigen und das neue
Schluckmuster etablieren.
Redeunflüssigkeiten, Stottern, Poltern
„Mein Kind überschlägt sich beim
Sprechen. Es denkt schneller als es
sprechen kann.“
„Wenn ich so schnell rede, denken die
Kollegen, ich sei
aufgeregt.“
„Wenn ich weiß: gleich muss ich
wieder Auto sagen, dann tausche ich es
schnell gegen Karre aus, um nicht zu stottern.“
„Wir sagen dann immer zu ihm: ‚Hol
mal erst mal tief Luft und erzähl
dann ganz in Ruhe.‘“
Die Äußerungen von Betroffenen zeigen, dass es in der Behandlung des
Stotterns und Polterns nicht nur um eine veränderte Redeweise geht.
Stottern und Poltern wirken auf die Umgebung und stören oft den
normalen Umgang miteinander.
Die Behandlung kann also nicht beim Stotternden allein ansetzen,
sondern sollte das soziale Umfeld einbeziehen.
Von hohem therapeutischen Wert halte ich es, das Stottern zu
enttabuisieren. Man kann sogar schon mit Vorschulkindern über ihre
Symptome und Sprechängste reden.
Ein Slogan der Stotterer-Selbsthilfe lautet:
‚Das Schlimmste am
Stottern ist die Angst davor – Wir machen ihr Beine‘. Es geht
für
stotternde Menschen darum, sich dem Symptom nicht ausgeliefert zu
fühlen, sondern das Vorkommen von Symptomen selbst regulieren zu
können.
Genauso wenig wie es die eine Behandlungsmethode für die Stotter- oder
Poltersymptomatik gibt, gibt es auch nicht die eine Ursache.
In einem ausführlichen Anamnesegespräch erfrage ich auslösende und
aufrechterhaltende Bedingungen für die Redeunflüssigkeiten. Die
Erwachsenen frage ich nach deren Einstellungen, Erlebnissen und
Verhaltensweisen in Bezug auf das Stottern. Bei Kindern geht es in der
Befunderhebung um die Abgrenzung zwischen entwicklungsbedingten
Redeunflüssigkeiten und dem Auftreten echter Symptome, die für eine
Chronifizierung sprechen.
Bei Erwachsenen wie bei Kindern wird in der Behandlung zwischen
direkten und indirekten Methoden unterschieden. Ich habe gute
Erfahrungen mit dem Ansatz nach van Riper, sowie dem
Non-Avoidence-Konzept nach Wendlandt gemacht. Mit Schulkindern arbeite
ich nach Carl Dell.
Hilfreich ist auch die „koordinierte Stotterkontrolle“.
Sehr gut ist es, nicht nur den Focus auf die Symptome zu richten,
sondern auch die flüssigen Anteile des Sprechens hervorzuheben und zu
stärken (fluency shaping).